Rajastan - Land der Koenige

Essentielle Fragen wie

 

- warum laecheln Inder nie auf gemeinsamen Fotos?

- warum tragen eigentlich nur Touristen die Esoterik Klamotten?

- warum wird uns immer wieder "Bruder Jakob" auf franzoesisch vorgesungen?

- wieso haben unsere angefragten "Budget" Hotels alle einen Swimming-pool, Klimaanlage, Kabelfernsehen, ...?

- wie ist es eigentlich ausserhalb der Touristensaison im indischen Hochsommer bei 45 Grad und mehr eine Staedtetour zu machen ...?

 

haben waehrend dieser Tage stets zu unserer Unterhaltung und Verwunderung beigetragen. Auf manche obiger Fragen haben wir uns halbwegs verlaessliche Antworten "erarbeiten" koennen. Zu unserer Beruhigung konnten wir auch feststellen, dass sogar die Inder selbst bei 45 Grad und mehr ins Schwitzen geraten.

 

Angefangen hat diese Staedte-Rundreise durch das Land der Koenige durch die von muslimischen Einfluessen gepraegte Region mit einer Uebernacht-Zugfahrt von Delhi zu einem Ort 150km entfernt von der pakistanischen Grenze: Jaisalmer. Die Wagons aehneln beim ersten Eindruck eher einem Straeflingstransport auf Schienen im Blindflug - die kleinen Fenster sind mit Stahlbuegeln verbarrikadiert und es wurden nie irgendwelche Ankuendigungen ueber die Halteorte gemacht. Die herunterklappbaren Pritschen waren dann allerdings doch nicht so unbequem, so dass wir auch dank eifrigst eingesetzter Ventilatoren, den Rucksack als Kopfkissn nutzend, keine schlaflose Nacht hatten. Geweckt wurden wir durch die charmanten Rufe der Verkaufer der hiesigen Teespezialitaet "Chai-Chai-Chai".

 

Die in der Wueste gelegene Stadt Jaisalmer ist bekannt durch die verwaschene Farbe von Sandstein welcher als vorwiegend verwendetes Baumaterial speziell die Altstadt bzw. Festung golden schimmern laesst. Die sehr ausgiebige Dekoration der Anlage und der Vielzahl dort angesiedelten Tempelanlagen hat uns wirklich fasziniert. Ein abendlicher Ritt auf dem Kamel "Rocket" vervollstaendigt die unterhaltsamen Tage. Gerade wegen des sehr gemaessigten Treibens auf den Strassen ausserhalb der touristischen Saison liess sich die Hitze besser aushalten als erwartet. Die sonst so eifrig ueber einen herfallenden Horden von Indern, die einem den Gott und die Welt andrehen wollen, auch die waren entweder nicht da oder angesichts der Temperaturen nicht uebermotiviert

 

Nach einer weiteren Nacht im Zug erreichten wir Jodhpur. Diese Stadt ist rueckblickend unser Favorit in Rajastan. Jodhpur beherbergt eine wirklich imposante Festung und Palastanlage aus dem 16 Jahrhundert, eine Vielzahl von lokalen, bunten Gewuerz-Obst-Kleidungs-Maerkten sowie Tempelanlagen und einem vom Maharaja bewohnte und auch als Hotel benutzte Palastanlage. Zudem konnten wir in einem Hotel herbergen welches nebst Angenenehmlichkeiten wie einem Pool auch durch eine Sammlung von Polo-Turnier Pokalen dekoriert war. Den Beinamen "blaue Stadt" traegt die Stadt aufgrund einer Ansammlung von blau gestrichenen Gebaeuden. Blau soll neben einem optisch ansprechenden Effekt, auch eine waermeabweisende und Insekten abhaltende Funktion haben. Wenn man den Blick von der Festung aus auf die Stadt schweifen laesst, faellt es einem schwer den Blick von diesem Stadteil abzuwenden.

 

Mit der Reise nach Puschkar haben auf eine sehr hohe Dichte bunt und traditionell gekleideter Inder und ein lautes nasses Durcheinander bei den Waschritualen am See gehofft. Der Ort ist eine religioese Pilgerstaedte fuer Hindus, welcher zum Zeitpunkt der laengsten und dunklesten Mondfinsternis des Jahrhunderst unser Erwartung nach haette aus allen Naehten platzen muessen. Unsere zu hohen Erwartungen wurden anteilig erfuellt - bunt gekleidete Inder ja aber die so angepriesene besondere Stimmung wollte nicht so ganz aufkommen, da der Andrang sehr ueberschaubar war. Somit haetten wir die Chance gehabt alle von den 400 Tempelanlagen in Ruhe aufzusuchen, aber wir wollten uns nochmal etwas fuer eine potentielle Rueckkehr aufheben :-) Bei der Qual der Wahl haben wir uns auf einen Besuch einer Tempelanlage, welche dem Brahma dem Gott der Schoepfung gewidmet war, schwitzenderweise konzentriert. Von Brahma-Tempeln gibt es weltweit nur 4. Bei regem Treiben haben wir frisch geduscht und bunt bemalt am Morgen nach der Mondfinsternis den Waschritualen der Hindus beigewohnt - waschen wollten wir uns in dem grau-braun-gruenlichen von Goettergaben - Zuckerbonbons und Blumenblueten - durchsetzten Wasser nicht wirklich.

 

Udaipur - die Stadt in der im Jahr 2007 das beste Hotel der Welt gekuehrt worden ist und einer Leserumfrage nach im Jahr 2009 des Magazins Leisure & Travel als "best city of the world" erkoren worden ist, hat uns nicht so sehr beeindruckt.

Das mag vieleicht daran liegen, dass wir nicht bereit waren 1000 USD pro Uebernachtung auszugeben. Neben dem Besuch des sehr grossen Palastes und eines Marmortempels haben wir das Wellness- und kulinarische Angebot unseres Hotels wahrgenommen und die Rueckreise nach Delhi ueberaus entspannt angetreten. 

 

 

In einer Nusschale:

Konturlos ist Rajastan mit Sicherheit nicht. Spannend war es fuer uns vor allem zu sehen, dass diese Region vor 400 Jahren weiter entwickelt war als Europa. Die Hingabe bei dem Bau und der detailreichen Verzierung von Palaesten, Festungen und Tempeln hat sicherlich auch ausserhalb des Hochsommers die Bauherren schwitzen lassen. 

Was man auf den ersten Blick kaum fuer moeglich halten sollte, den Indern sind Sauberkeit von oeffentlichen Anlagen und Hygiene keine Fremdwoerter - aber sie haben ja auch ueber 100 Sprachen so dass das mit der Uebersetzung fuer jedermann halt so eine Sache ist.

In indischen Grosstaedten haelt die westlich zivilisierte Einheitsnietenhose mehr und mehr Einzug, so dass wir im Gegensatz zu Delhi in Rajastan wirklich die bunte Vielfalt der Sarees, Kurtas und Turbane geniessen konnten.

Der "englische Wein" hat es den Indern wirklich angetan - vergeblich haben wir in den "English Wine Shops" diesen Wein gesucht aber dafuer stets ein Sortiment von Spirituosen entdeckt. Der englische Wein ist halt etwas fuer Feinschmecker und einfach sehr sehr schwer in Indien aufzutreiben :-)

Unser 2nd hand lonely planet, erstanden in Nepal fuer umgerechnet 3 EUR war der Hit!

Eine Rueckkehr nach Rajastan ist nicht ausgeschlossen, da wir nach wie vor auf der Suche nach Antworten auf die folgenden Fragen sind:

- warum tragen eigentlich nur Touristen die Esoterik Klamotten?

- warum wird uns immer wieder "Bruder Jakob" auf franzoesisch vorgesungen?

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